Archiv der Kategorie: Projekt Seseke

Die Fünfbogenbrücke in Kamen

von Klaus Holzer

Fünf-Bogen-Brücke HA

Die Fünfbogenbrücke im Sommer 2013

Die Kamener Hochstraße ist gerade einmal 40 Jahre alt und bedarf bereits der Sanierung. Wer viel auf Autobahnen fährt, weiß längst, daß auch dort viele Brücken marode sind. Brücken die erst 40 oder 50 Jahre alt sind: die langen Bauwerke auf der 1973 in Betrieb gegangenen Sauerlandlinie, die Rheinbrücke bei Leverkusen und viele andere mehr. Viele von ihnen können saniert werden, manche müssen erneuert werden. Brücken, aus dem Ewigkeitsbaustoff Beton errichtet, nach kaum einem Menschenalter. Nicht so die Fünfbogenbrücke in Kamen.

Die Fünfbogenbrücke liegt an der Köln-Mindener Eisenbahn, deren Gesellschaft am 18.12.1843 gegründet wurde. Eigentümer waren Privatleute und der preußische Staat, der mit ca. 43% Mehrheitsaktionär war. Im Jahre 1845 wurde die endgültige Streckenführung festgelegt und mit den Bauarbeiten begonnen, und zwar von West nach Ost. Am 18.10.1845 fand der erste Spatenstich auf Kamener Gebiet statt. Der Bau der Fünfbogenbrücke begann schon im Herbst 1844. Dazu schreibt der erste Ortschronist Kamens, Pfarrer  Friedrich Buschmann: „Mit der größten Thätigkeit wurde unausgesetzt an der Cöln-Mindener Eisenbahn gearbeitet und im Sommer die ausgezeichnet schöne Brücke im Mersch, welche wohl gegen 80.000 Thaler gekostet hat, vollendet. Der ganze Bau ward so rasch gefördert, daß schon die Strecke zwischen Hamm und Camen und Dortmund am 13. December mit Pferden befahren werden konnte.“ Der Preis war sehr hoch, vor allem, weil die Seseke damals von einem breiten Sumpfstreifen gesäumt war, in den sehr viele Eichenstämme als Fundament getrieben werden mußten, damit sie nicht versank. Und eine solche Pfahlgründung war und ist eben sehr teuer. Wie gut gearbeitet wurde, läßt sich unschwer daran erkennen, daß diese Brücke seit nunmehr 170 Jahren in ihrer Konstruktion unverändert steht und damit eine der ältesten Eisenbahnbrücken Deutschlands ist.

Bei dieser Seseke-Brücke handelt es sich um eine Brücke aus Werkstein in einfacher, klassizistischer Form. Sie hat fünf auf Pfeilern sitzende Gewölbe, welche die Form eines Kreissegmentbogens haben. Es handelt sich dabei um drei Strompfeiler und zwei Vorfluter. Die Pfeiler zeigen halbrunde Vorlagen, die mit einem Wulstprofil aus anderem Steinmaterial abgeschlossen sind. Die ursprüngliche Brücke ist fast unverändert erhalten geblieben.

Am 19.8.1846 schrieb der HA: „ Der Sesekebrücke hierselbst, in fünf Bogen kolossal und wunderschön erbaut, wurde heute der Schlußstein eingefügt, zu welcher Feier sich die Herren Beamten der Bahn von Hamm, Dortmund und Camen hier eingefunden. Nach der Feier, wobei einige passende und erhebende Ansprachen gehalten,, zog der Festzug mit klingendem Spiel durch die Stadt zum Grevelschen Gasthof (Anm. KH: den älteren Kamenern als „Hotel Bergheim“ Am Geist bekannt) und zur Witwe Möllenhoff (Anm. KH: eine damals bekannte Gaststätte mit Saal in der Bahnhofstraße, an der Ecke Klosterstraße), wo man sich eine Zeitlang heiter und hoffnungsvoll über die glückliche Zukunft unterhielt, die uns die baldige Eröffnung unserer großartigen Eisenbahn bringen wird. Ein Ball bei Herrn Menne am Ziegenmarkt (Anm. KH: heute Teil der Schulstraße) beschloß die Feier.“

Am 24.4.1847 fuhr die erste Lokomotive über Kamen, am 2. Mai der erste Personenzug bis Hamm, am 8. Mai war die erste Regierungsprobefahrt, am 15. Mai waren die offiziellen Bahnhofseinweihungen in Kamen und Hamm (das heute denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude in Kamen entstand erst Anfang der 1850er Jahre).

Noch einmal Friedrich Buschmann: „Wenn es auch unmöglich ist, die späteren muthmaßlichen Folgen der hier vorbeigehenden Eisenbahn auf den Wohlstand der Bürgerschaft anzudeuten, so läßt es sich doch unmöglich verkennen, daß die hiesige Stadt jetzt gleichsam in dem Bahnhofe einen Hafen an einem der bedeutsamsten Ströme Europas besitzt, dadurch in die directeste und schnellste Berührung mit den Städten im Nordosten und Nordwesten Deutschlands gebracht ist und es jetzt leicht sein muß, Quellen der Betriebsamkeit aufzufinden. Wahrscheinlich wird in späteren Tagen um den Bahnhof ein neues Camen entstehen.“

Daß sich die im HA und bei Buschmann ausgedrückten großen Hoffnungen für die Entwicklung der Stadt Kamen nicht recht erfüllten, steht auf einem anderen Blatt. Die Fünfbogenbrücke ist Zeugnis großartiger Planung und Brückenbaukunst, zu recht unter Denkmalschutz gestellt. Sie hat 1847 die erste Dampflok erlebt, die D-Züge, die den Fernverkehr immer schneller machten, Exoten, wie den Schienen-Zepp, der am 28.6.1931 auf einer Werbefahrt durch Deutschland auch durch Kamen fuhr. Er war eine Propellerlokomotive, die einen Weltrekord von 240 kmh aufstellte. Erst 24 Jahre später wurde dieser Rekord übertroffen. Und schon 1930 schaffte er die Strecke von Hamburg nach Berlin in 98 Minuten, heute ist der ICE 2 Minuten (!) schneller. Jeder Typ Eisenbahn fuhr über die Fünfbogenbrücke, seit 170 Jahren.

Und diese Brücke spielte in den 50er Jahren auch eine erhebliche Rolle für frisch Verliebte vorzugsweise zwischen 15 und 20 Jahren. Man kann sich das heute gar nicht mehr vorstellen, aber zu jener Zeit gab es im Mersch nur die heute alte, damals neue Post und die Villen am Sesekedamm. Sonst stand dort kein Haus. Alles Wiesen, Kühe darauf, in den Bächen und Gräben Molche, Stichlinge und Karauschen, außer natürlich in der Seseke. Einsamkeit, lauschige Plätzchen, das richtige für Verliebte. Dort ging man hin zum Poussieren, wie das damals hieß. Deswegen war es dort manchmal auch nicht so einsam, wie es sich alle gewünscht hätten.

Nichts konnte die Fünfbogenbrücke erschüttern. Bis der moderne Lärmschutz kam.

Heute ist das Denkmal zerstört.

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Die Fünfbogenbrücke im Sommer 2014

KH

Otto Holz‘ Mahnmal am Sesekedamm

von Klaus Holzer

Seit geraumer Zeit läuft die öffentliche Diskussion, wie das Sesekeufer in der Innenstadt in Zukunft aussehen soll. Es gibt die Gegner, die darin nur Geldverschwendung sehen können, und es gibt die vehementen Befürworter, die darin die Chance erkennen, Kamen zukunftsfähig zu machen, was angesichts der Herausforderungen durch die demographische Entwicklung dringend nötig erscheint.

Was bisher noch gar nicht zur Sprache gekommen ist, betrifft alles das, was sich in dem Bereich bereits befindet: der Baum, den „DIE KAMENER JUGENDLICHEN [alle?] FÜR FRIEDEN UND VÖLKERVERSTÄNDIGUNG – NIE WIEDER KRIEG“ am 1. September 1989 gepflanzt haben, der Kampmannsche Bleier und das Mahnmal von Otto Holz. Was kann, was soll, was wird mit ihnen geschehen?

Am leichtesten fällt die Entscheidung über den Baum. Der läßt sich integrieren, gleichgültig, wie die Gestaltung im einzelnen aussehen wird. Einen gewissen Aufwand wird Kampmanns Bleier erfordern. Er wird wohl einen neuen Standort finden müssen, kann dann aber wieder in ihm angemessener Weise auf einen senkrechten Pfosten zu stehen kommen, wodurch die gegenwärtig unbefriedigende Präsentation korrigiert werden kann.

Aus der Zwischenablage

Lothar Kampmann, Kömscher Bleier (1968/2013)

Photo: Klaus Holzer

Otto Holz‘ Mahnmal von 1953 stellt ein größeres Problem dar. Das fängt schon damit an, daß offenbar viele, vor allem jüngere, Kamener gar nicht wissen, woran es erinnern soll. Auch wenn für manche der Gedanke naheliegt – es steht nicht für die Opfer des Aufstandes vom 17. Juni 1953 in Ostberlin, sondern erinnert an diejenigen Deutschen, die zu jener Zeit noch in Kriegsgefangenschaft waren. Im Verlaufe des Jahres 1953 entwickelte sich in der bundesdeutschen Bevölkerung immer stärker das Gefühl, daß es im neunten Jahr nach Kriegsende nicht immer noch Kriegs– und Zivilgefangene in Ländern der Alliierten geben dürfe, vor allem in der UdSSR, wo, wie der SPD-Vorsitzende Erich Ollenhauer am 2. Oktober erklärte, Männer und Frauen „immer noch der Stacheldraht umschließe und die sowjetische Posten bewachen“. „Die meisten von ihnen waren unter den groteskesten Vorwänden in den Jahren 1950 und 1951 zu langjährigen Zuchthausstrafen verurteilt und zu Kriegsverbrechern gestempelt worden.“ (WR, 2.10.1953)

Daher fand vom 17. – 25. Oktober 1953 eine bundesweit begangene Kriegsgefangenen-Gedenkwoche statt, die offenbar im ganzen Land große Zustimmung erfuhr. In dem bundesweit veröffentlichten Appell hieß es: „Wir selber wollen aus dieser Hoffnung heraus nicht müde werden, vor der Weltöffentlichkeit zu mahnen, zu bitten und zu flehen und zum Herrgott zu beten, daß, wenn manche Machthaber der Welt nicht helfen können und andere gar wider uns und unsere Gefangenen sind, er sich unser erbarmt.“

Schon im Sommer 1953 hatte der Rat der Stadt Kamen auf Antrag des Heimkehrer-Ortsverbandes den Beschluß gefaßt, „für alle noch in den alliierten Gewahrsamsländern zurückgehaltenen Kriegs– und Zivilgefangenen“ ein Mahnmal zu bauen und auch gleich den Auftrag dazu erteilt. Der erste Spatenstich erfolgte am 2. Oktober durch Erich Reichert, einen Kamener, der gerade erst, im September 53, aus sowjetischer Gefangenschaft heimgekehrt war. Wenige Tage später, am 13. Oktober, kam auch der Südkamener Paul Kollin zurück, Bruder des bekannten Kamener CDU-Politikers Ewald Kollin. Zur gleichen Zeit verkündete die Stadt Kamen, daß alle Spätheimkehrer zusätzlich zu der von der Bundesrepublik gezahlten Wiedereingliederungshilfe auch von ihrer Heimatstadt DM 250,– in bar erhalten sollten.

Mit dem Entwurf für dieses Mahnmal wurde Otto Holz beauftragt, Kunstlehrer am Städtischen Neusprachlichen Gymnasium Kamen. Dieser war ein Künstler, der radikal mit der traditionellen Kunst gebrochen hatte. Pathos und die Glorifizierung von Heldentum waren ihm fremd. Daher entsetzte sein Kunstwerk (ja, in diese Kategorie gehört das Mahnmal) viele Kamener, die etwas Traditionelles erwartet hatten, etwa im Stile des Denkmals an der Waldstraße neben Grundhöfer in Overberge.

Ohne Titel

 

Otto Holz, 11. Juni 1907 – 15. April 1988

  Photo: Archiv Klaus Holzer

Die Einweihung des Mahnmals am 25. Oktober 1953 zeigte, in welchem Maße ganz Kamen Anteil nahm. „Rund 4000 Teilnehmer bevölkerten den Sesekedamm und die Bahnhofstraße zur Zeit der Feierstunde“, schreibt die WR am einen Tag später. Der Posaunenchor spielte, Sprecher verschiedener Vereine und Verbände appellierten an die „Gewahrsamsmächte“ und das „Weltgewissen“, die Gefangenen aus ihrer Rolle als „politisches Wechselgeld“ zu entlassen.

Pfarrer Busch und Pfarrer Rawe schlossen sich an, Erich Reichelt rief dazu auf, „die Brücke zwischen Heimat und Gefangenen nicht zusammenbrechen zu lassen“. Dann nahm Bürgermeister Rissel „das Mahnmal mit einem Appell an die Friedensbereitschaft der Welt in die Obhut der Stadt“. (WR, 26.Okt.1953)

Mahnmal Holz Front Jan 2013

 

Otto Holz, Mahnmal „Vergesst uns nicht“, 1953

Photo: Klaus Holzer

Einweihung Mahnmal Holz 53

 

Einweihung des Mahnmals von Otto Holz am 25. Oktober 1953

Photo: Stadtarchiv Kamen

Denk– und Mahnmale haben die Funktion, die Menschen an Dinge zu erinnern, die einschneidende Ereignisse in ihrer und der Geschichte ihrer Nation darstellen, sie vor dem Vergessen zu bewahren. Ihre Form verrät viel über den Geist ihrer jeweiligen Entstehungszeit und bewahrt so, über den historischen Anlaß hinaus, auch  das künstlerische Ausdrucksvermögen ihrer Epoche. Das gilt in ganz besonderem Maße für Otto Holz‘ Mahnmal am Sesekedamm. Es verdient einen besonderen, einen würdigen Platz am neugestalteten Sesekeufer. Aber vielleicht ist alles auch ganz einfach, scheint es doch so, als ob Baum und Mahnmal eine Einheit bilden. Hoffen wir, daß Kamens Rat eine weise Entscheidung fällt.

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Das Ensemble aus Mahnmal und Friedenslinde

Photo: Klaus Holzer

KH

Anregungen zur Umgestaltung des Seseke-Ufers

Anregungen des Kultur Kreises Kamen zur  Umgestaltung des innerstädtischen Seseke – Ufers

von Thea Holzer

Die Stadtgesellschaft ändert sich: In den kommenden Jahren wird Kamens Einwohnerzahl sinken und das Durchschnittsalter steigen. Diese Veränderung ebenso wie die Einsicht, dass die „öffentliche Stadt“ nachhaltig gestaltet werden muss, wird von Fachleuten (vgl. Quellen) vielerorts beschrieben. Nicht als Luxus, sondern als Daseinsvorsorge für Stadtbewohner, die auf grünen Freiflächen Ausgleich für Stadtlärm, stetig zunehmenden Verkehr und fehlende Natur suchen, wird nach passenden Lösungen gesucht.

Bürger-Umfragen zu deren Grundbedürfnissen haben gezeigt:

Es sind im Wesentlichen

1) Regeneration und Erholung,

2) Kontakt und Kommunikation,

3) Bewegung an frischer Luft,

4) Natur erleben.

In der heutigen „Erlebnisgesellschaft“ muss eine bedürfnisgerechte „grüne Oase in der Stadtmitte“  darin bestehen, dass man sich spontan entscheiden kann, wie man sich betätigen will; nachhaltiger Erlebnisraum muss also Vielfalt anbieten.

Wenn man das zu gestaltende Sesekeufer und seine Umgebung betrachtet, dann ist Punkt  3) „Bewegung an frischer Luft“ für alle Altersgruppen bereits bestens gelöst:

Wir haben einen Beachvolleyball-Platz am Eilater Weg, einen Bolzplatz neben der Hochstraße, einen großen Kinder-Spielplatz zwischen den beiden Kirchen und im Postpark eine gut besuchte Half Pipe und einen weiteren Kinder-Spielplatz. Im Postpark finden wir für ältere Kamener auch einen längst nicht ausgelasteten Boule-Platz und nebenan den Minigolf-Platz, einen Freizeit-Spaß für die ganze Familie. Sollte das Freibad weiterhin bestehen bleiben, hat Kamen auch ein zentrales Schwimmbad.

Deutliche Wegmarkierungen sollten von Ort zu Ort leiten, und man müsste an mehreren Stellen sichere Straßen-Übergänge schaffen.

Zum Erfüllen der weiteren Bedürfnisse  müsste der Fuß/-Radweg zum Stillen Weg bis zum „Unort“ unter der Hochstraße schon ab dem Kreisel an der Maibrücke durch eine Hecke von der Hochstraßen-Auffahrt getrennt werden, so dass der gesamte Bereich Maibrücke /Stiller Weg geschützt und sicher begehbar ist.

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Der gesamte Weg „Reeperbahn“(  Sonnenseite) müsste durch Anpflanzungen und Verschönerungen der Haus-/Garagenseiten (Stauden/ Baumgruppen) aufgewertet werden, die Sitzgruppe dort müsste man durch weitere Bänke und/oder  Stühle vergrößern, und mit einer ansprechenden Wegführung entlang der Seseke und über die Vinckebrücke  hätte man bereits einen schönen kleinen Rundweg.

Photo 2

Die Hecken an der „Reeperbahn“, jetzt schon Zuhause für viele Vögel, müssten gründlich gepflegt und mit Nistkästen bestückt werden.

Ein Insektenhotel an passender Stelle könnte für den nahen Kindergarten und die Grundschule nebenan lehrreich sein, und ganz einfach lassen sich ein paar Findlinge mit in die Landschaft legen zum darauf Herumklettern .

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Im Ruhrgebiet werden immer mehr „urbane Oasen“ gefördert. So könnte auch hier ein Teil der Schrebergärten am Stillen Weg umgewandelt werden zu einem größeren Gemeinschaftsgarten, in dem Kamener gemeinsam gärtnern und ihre Erfahrungen austauschen könnten . Denkbar wäre auch die Anregung zur Patenschaft für einzelne Park-Abschnitte durch das Jugendheim (Postpark), die Josefschule (Schrebergarten) und den Kindergarten (Insektenhotel).

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Der gesamte Grün-Bereich im Postpark über das Amtsgericht, ebenso das Sesekeufer am Sesekedamm, bis jetzt allesamt kahle Rasenflächen und die gesamte neu zu gestaltende Seseke-Umgebung an der Vinckbrücke müssten mit Stauden- und Wildblumen-Rabatten sowie einzelnen früh- und spätblühenden heimischen Bäumen bepflanzt und dadurch lebendig gestaltet werden,  so dass sich Besucher dort wohlfühlen können.

Bei der Planung des Seseke-Geländes ist bisher nirgendwo eine öffentliche Toilette vorgesehen.  Vielleicht ließe sich tatsächlich ein kleines Café verwirklichen (Pavillon Maibrücke?), das zusätzlich zu Entspannung und Kommunikation beitragen würde.

Der Bereich  zwischen Partnerschaftsbrücke und Maibrücke ist relativ klein , es müsste also die großzügige und abwechslungsreiche Parkplanung ab Maibrücke bis zur Hochstraßenquerung am Stillen Weg besondere Beachtung finden.

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Da im weiteren Verlauf des Seseke-Ufers von der Maibrücke bis zur 5-Bogen-Brücke an der Uferpromenade nicht viel verändert werden kann, erinnern wir noch einmal an die Literaturpromenade, die wir an anderer Stelle schon einmal vorgeschlagen haben. Zusätzlich könnte aber auch an der Promenade mit Büschen, Stauden und Blumen für mehr Abwechslung gesorgt werden .

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Dass es in der „öffentlichen Stadt“ immer wieder zu Beschädigungen, Vandalismus, Müll, Verunreinigung durch Hunde, Drogen- und Trinkerecken kommt, führt leider dazu, dass die Anlagen gemieden werden. Wo sie aber lieblos oder vernachlässigt angelegt sind, wo nichts anspricht, wird erst recht verschmutzt und zerstört.

Zu einem erfolgversprechenden, nachhaltigen Sesekeufer-Konzept müsste deshalb auf jeden Fall gehören:

Statt langweiliger Grünflächen möglichst viel Abwechslung.

Ansprechende, sichere Flächen und Wege (Wege einsehbar, gute Beleuchtung).

Leinenpflicht für Hunde.

Aufstellen von Parkregeln zur Beachtung.

Ständige Parkpflege.

Der Kultur Kreis Kamen bittet, die Möglichkeit der Umsetzung seiner Anregungen zu prüfen.

April 2015

Quellen:

„Urbane Oasen im Ruhrgebiet“ – Artikel in der WR vom 25.3. 2015

„Nachhaltige Stadtparks mit neuen Erlebnisqualitäten“, Konzepte und Wirkungen,

(Antje Flade – Institut Wohnen und Umwelt), Darmstadt, September 2004

„Nachhaltige Stadtparks“ – Konzept und Praxisbeispiele,

Lein-Kottmeier/Ostmann/Vogt (Hrsg.), RWFV Fachverlag, 2008

Leitfaden zur naturnahen Pflege und Entwicklung öffentlicher Grünanlagen,

FHH – Umweltbehörde, Hamburg, 25.1.2000

Alle Fotos: TH

TH

 

 

Die Neugestaltung des Seseke-Ufers

von Klaus Holzer

In Kamen steht eine wesentliche städtebauliche Veränderung der Innenstadt an. Nach der baulichen Veränderung des städtischen Nordpols (Vogelhof/Hertie) und des Südpols (Bahnhof) wird jetzt sozusagen auch der Äquator in Angriff genommen. Städtebaulich ist die Umgestaltung des Seseke-Ufers von großer Bedeutung, darf sich doch keine Stadt, die so glücklich, an einem Fluß zu liegen, diese Chance auf eine innerstädtische Promenade entgehen lassen.

Im April wird die Stadt die von einem Fachbüro entwickelten Umbaupläne der Öffentlichkeit vorlegen und sie über Einzelheiten der Neugestaltung informieren. Diese Pläne stützen sich auf Ideen, die in einem Wettbewerb im Jahre 2013 entstanden. Jetzt geht es also um die konkrete Umsetzung.

Schon 2013 brachte sich der KKK mit schriftlich formulierten Vorschlägen im Vorfeld des Wettbewerbs ein, u.a. mit der Idee einer Literaturpromenade. Jetzt hat der KKK diese Idee konkretisiert und am 23. Februar d.J. Bürgermeister Hermann Hupe mit der Bitte zur Kenntnis gebracht, sie ebenfalls im Rahmen der öffentlichen Präsentation als möglichen Bestandteil der Umgestaltung vorzustellen.

Hier ist unser Vorschlag (Design: Reimund Kasper):

Entwurf 1 a

Vorschlag 1: Einfache Tafel in kräftiger Farbe, einmal gefaltet, Höhe 180 cm, Breite 45 oder 50 cm

Entwurf 1 b

Vorschlag 2 (als Alternative gedacht): Die Tafel wird ergänzt durch ein „Fenster zur Welt“, das einen sich ständig ändernden Blick auf den Fluß und seine Umgebung erlaubt (vgl. auf das Kunstwerk „Jetzt und der Fluß“ an der Braunebach-Mündung). Ansonsten gleiche Ausführung.

Das dahinter stehende Konzept:

Der Kultur Kreis Kamen schlägt vor, bei der Neugestaltung des Sesekeufers in der Kamener Innenstadt in die Planung folgenden Vorschlag aufzunehmen:

A. Anlegen einer Literaturpromenade:

  1. Es werden zwischen der Fünfbogenbrücke und der Vinckebrücke (Eilater Weg) acht Stelen aufgestellt. Die Maße der Stelen: Höhe 180 cm, Breite 45 cm.
  2. Auf den acht Stelen werden Folien/AluDibond-Tafeln für wechselnde Exponate befestigt. Die werden mit einer auswechselbaren Folie gegen Vandalismusschaden überzogen.
  3. Unter „Exponate“ verstehen wir ausgesuchte Texte zu Dichter–, Philosophen– und anderen Jubiläen oder thematisch orientierte Texte. Mögliche Themen: Freude, Glück, Frieden, Wasser, Jugend, Alter usw. Hier kommen Aussagen bekannter Personen der Weltgeschichte wie auch von Schriftstellern usw. in Frage.
  4. Die Zahl der Stelen orientiert sich an der Zahl der Kamener Partnerstädte, die so in Aktionen mit je einem Inhalt in der jeweiligen Landessprache eingebunden werden könnten.
  5. Die Auswahl der Inhalte kann in Kooperation z.B. mit den weiterführenden Schulen in Kamen vorgenommen werden.

B. Wirkung:

  1. Die durch ihre Größe und Farbgebung auffallenden Stelen geben dem Flußufer ein gestalterisches Element.
  2. Sie betonen den Promenadencharakter des Flußufers und laden dazu ein, zu „promenieren“.
  3. Die Spaziergänger werden stehenbleiben und sich unterhalten und gleichzeitig angeregt fühlen.
  4. Ein relativ häufiger Wechsel der Inhalte vermeidet Langeweile. An kommenden Inhalten kann Interesse geweckt werden, das durch entsprechende Presseberichterstattung gefüttert werden kann.
  5. Durch die Orientierung der Zahl der Stelen an der Zahl der Kamener Partnerstädte können gemeinsame Aktionen mit hohem Symbolcharakter vorgenommen werden (s.a.o., A 4).
  6. Durch die Beteiligung der Schulen und einer möglichst großen Zahl von Schülern wird eine Vielzahl von Mitwirkenden eingebunden.
  7. Daraus wird ein Gefühl der Mitverantwortung für diese Stelen geweckt werden, was im günstigsten Fall mithilft, Vandalismus zu begrenzen oder sogar zu vermeiden.
  8. Die mitwirkenden Schüler und ihre Familien werden vielleicht ein stärkeres Gefühl für Kamen, ihre Heimatstadt, erfahren.
  9. Nach der Umgestaltung des Bahnhofsumfeldes im Süden der Stadt (Verkehr) und des ehemaligen Vogelhofs (Hertiegelände/Handel) im Norden entwickelt Kamen in der Stadtmitte einen Anziehungspunkt mit Unterhaltungs– und Bildungswert. Die attraktiv gestalteten Stelen werden ein Schmuck für die Promenade werden.
  10. Es wird sich eine attraktive Flußpromenade entwickeln, die möglicherweise Besucher aus der näheren Umgebung anziehen wird. (Touristik)
  11. Es ist zu empfehlen, die Tafeln bei Dunkelheit anzuleuchten, so würde das auch bei Nacht den Promenadencharakter verstärken bei gleichzeitiger Erhöhung der Sicherheit. Durch raffinierte Beleuchtung würde eine völlig neue künstlerische Dimension eröffnet.
  12. Solche Stelen könnten sukzessive auch auf anderen Flächen im Stadtgebiet, z.B. in Parks, aufgestellt werden.

C. Kosten und laufende Maßnahmen:

Die Kosten pro Stele belaufen sich auf ca. € 500,00 für die einfachere Version, ca. 650,00 für die Version mit dem „Fenster zur Welt“, beide inkl. Pulverbeschichtung

Die Kosten je bedruckter Folie belaufen sich auf ca. € 80,00

Die Kosten für eine bedruckte AluDibond-Tafel belaufen sich ebenfalls auf ca. € 80,00

Das Aufstellen der Stelen kann

  1. im Zuge der Baumaßnahmen der Umgestaltung von der Baufirma mit vorgenommen werden
  2. vom städtischen Baubetriebshof kostengünstig vorgenommen werden
  3. eventuell von Bautrupps des Lippeverbandes ausgeführt werden, da die Stelen vermutlich am besten hinter den vorhandenen Zäunen auf dem Ufergelände aufzustellen sind. Dort bilden sie keine Hindernisse und sind zusätzlich geschützt
  4. die Aufstellungsorte bzw. die Frequenz der Tafeln wird in Abstimmung mit der Stadt Kamen bzw. dem LV vorgenommen

Das Wechseln der Textfolien ist einfach und läßt sich im Zuge der normalen Überprüfungen des Seseke-Ufers durch den städtischen Baubetriebshof durchführen. Dazu wird die alte Folie abgenommen und die neue aufgeklebt. Einfacher ist das Verfahren mit AluDibond-Tafeln, die nur aufgeschraubt zu werden brauchen.

Die Stelen sollten in das Eigentum der Stadt übergehen.

Bei den oben gemachten Angaben handelt es sich um einen Vorschlag, dessen Einzelheiten variabel sind.

KH